Laila Keeling & Anjali Zyla

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Wir möchten uns bei Malik bedanken, dass er so offen und bereit war, seine Geschichte mit uns zu teilen. Für tschetschenische Flüchtlinge ist es oft besonders schwierig, ihre Geschichte zu erzählen, denn wenn sie nach ihrer Flucht Tschetschenien kritisieren, könnten ihre Familien in ihrer Heimat mit ernsten Konsequenzen rechnen. Aus diesem Grund haben wir viele persönliche Angaben wie Namen von Orten, Alter usw. geändert, um die Identität von Malik und seiner Familie zu schützen. Für weitere Informationen über die Ansichten und Erfahrungen von tschetschenischen Flüchtlingen haben wir hier einen Artikel gelinkt über unsere Workshops, die wir mit Tschetschenen im Jahr 2019 durchgeführt haben.

Wir möchten auch anmerken, dass wir während des 2,5-stündigen Interviews, das auf Deutsch geführt wurde, große Verbesserungen in Maliks Sprachkenntnissen bemerkt haben. Wie er im Interview erklärt, ist es für ihn das erste Mal, dass er offen mit einer deutschen Person spricht, obwohl er schon seit mehr als 2 Jahren hier lebt. Damit demonstriert dieses Interview, wie wichtig offene Konversation zwischen Flüchtlingen und Deutschen ist, und wir möchten Malik noch einmal dafür danken, dass er sich die Zeit genommen hat, mit uns zu sprechen.

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Ich komme aus Tschetschenien. Es ist sehr schwer für mich, über mein Heimatland zu sprechen, und ich spreche fast nie ganz frei über dieses Thema. Ich kann aber ein bisschen von Tschetschenien generell erzählen. In Tschetschenien gibt es Leute, vielleicht 20% der Leute, die Putin und seine Politik unterstützen. Dann gibt es auch ungefähr 60 oder 70% der Leute, die wollen nicht diese Politik unterstützen, aber die Gewalt, die es in Tschetschenien gibt, hält die Leute in Angst. Deshalb fliehen die Menschen aus Tschetschenien. Zum Beispiel, ich bin nach Deutschland gekommen, weil es meine einzige Möglichkeit war. Für andere Leute gibt es manchmal andere Möglichkeiten, wie die Türkei oder der Ukraine, aber da gibt es natürlich jetzt auch Probleme mit Putin.

Ja, in meinem Zuhause gibt es sehr viele Probleme, die Leute können da nicht frei leben. In meiner Heimat haben wir eine Diktatur; eine sehr starke Diktatur. Wenn die Behörde etwas sagt, dann muss man es machen, sonst gibt es Gewalt. Zum Beispiel, die Behörde könnte vielleicht zu mir kommen und sagen, “geh in diese Moschee.” Aber ich will nicht gehen; ich will nicht mit diesen Leuten, mit dieser Gewalt, etwas unternehmen. Aber dann habe ich viele Probleme; dann kommt vielleicht die Polizei zu mir, und wird mich foltern. Ich kann den Namen nicht sagen, aber in Tschetschenien gibt es eine Person, und alle die Polizei und alle die Macht hört auf diese eine Person. Nicht Putin, aber ich kann nicht sagen, wer. Alle Leute hören auf diese Person, und dann ist die Polizei seine linke und rechte Hand.

Viele Leute haben dort Probleme, weil sie keine Freiheit haben. Ich habe auch Probleme mit dieser Macht. Ich bin nicht Kriminell, Ich liebe regeln. Regeln machen alle Leute zu Menschen. Um richtig zu leben, muss jeder Regeln folgen, aber in meinem Land gibt es keine Regeln, es ist eine Diktatur.

Die Entscheidung, nach Deutschland zu kommen

Vor 5 Jahren, waren meine Frau und ich schonmal als Flüchtlinge in Deutschland. In Deutschland leben meine Cousinen und mein Onkel schon seit 6 oder 7 Jahren. Ich habe eine Cousine, die ist 25 und arbeitet in der Zahnarztpraxis. In meinem ersten Mal im Ausland, hatte ich sehr angst und wusste nicht, wo ich hinfahren sollte. Ich wusste, dass ich in der Nähe von meiner Cousine wohnen wollte. Also sind wir nach Deutschland gekommen. Wir waren 3 Monate in Eisenhüttenstadt, dann noch 3 Monate in einem anderen Heim. Nach 3 Monaten haben wir eine Duldung bekommen. Dann haben wir eine Abschiebung bekommen. Die Polizei ist gekommen und uns zur Grenze von Polen gebracht. In Polen waren wir dann in einem Geschlossenem Heim, für einen Monat. Dieses Heim war wie ein Familiengefängnis. Meine Frau war während dieser Zeit sehr schwer krank, aber wir hatten zu dieser Zeit noch kein Kind. Wir waren nur uns 2 in Polen. Meine Familie und meine Bekannten haben uns damals gesagt, wir können zurück nach Tschetschenien kommen, weil es jetzt weniger Überfälle gibt. Dann sind wir zurück nach Hause gefahren, und waren noch 2 Jahre dort.

Wir haben diese 2 Jahre, von 2016 bis 2018, sehr ruhig gelebt. Ich habe auch in 2017 einen Minijob gearbeitet, in der Schule als Computerspezialist, ich bin nämlich ein IT-Programmierer bei Beruf. In 2018, habe ich einen Vollzeitjob bekommen, als IT-Spezialist. In 2019, wurde es wieder schlimm mit den überfallen. Die Macht hat viele Leute gesucht, überall in Tschetschenien und haben viele Leute festgenommen. Sie hatten keinen Grund, diese Leute festzunehmen; es war schlimm.

Meine Freunde wurden auch festgenommen. 6 von meinen Freunden wurden für 2 Wochen bis zu 6 Monate im Gefängnis gehalten. Dort wurden sie viel geschlagen und so. Die Macht würden sie erst loslassen, wenn sie ein Papier unterschreiben. Auf diesem Papier stand irgendeine Lüge, die meine Freunde dann unterschreiben mussten. Es gab ein paar Kategorien: Es könnte sagen, mein Freund hat eine Waffe, mein Freund ist Terrorist, oder mein Freund hat Drogen, obwohl mein Freund nie diese Sachen machen würde. Ich und meine Freunde sind Muslime; wir rauchen nicht, wir haben noch nie Drogen gehalten, wir haben keine Waffen. Es gibt noch eine Kategorie – dass meine Freunde kritische Wörter benützen über unseren Präsidenten. Aber wir haben viel zu viel Angst, frei Mit anderen Leuten über unseren Präsidenten zu sprechen. Meine Freunde würden also niemals kritische Wörter über ihn sagen, das wäre viel zu mutig. Meine Freunde sind mutig, aber diese Leute haben viele Waffen. Sie können einen einfach töten mit den Waffen. Also wird man erst vom Gefängnis entlassen, wenn man dieses Papier unterschreibt.

Mein Freund war 2 Monate lang im Gefängnis, und als er nach Hause kam, konnte man sehen, dass er überall geschlagen wurde. Er ist dann nach Polen geflohen, musste vielleicht 2 oder 3 Tage an der Grenze warten, aber dann durfte er hereinkommen. Die Macht hat überall für meinen Freund gesucht, überall in Russland. Sie haben seine Eltern gedroht, und haben gesagt, sie würden sie erschlagen, wenn sie nicht sagen genau wo er ist. Bis dann war er aber schon in Polen, jetzt ist er in Frankreich, glaube ich. Ich habe von ihm auch nichts gehört für 1 oder 2 Monate.

Bei mir ist es auch passiert. Diese Leute sind auch zu meinem Haus gekommen, und haben meine Mutter und Großmutter gefragt, wo ich bin. Ich war aber nicht mehr zu Hause, und meine Großmutter hat gesagt, dass sie nicht weiß, wo ich bin. Als ich gehört habe, was zu meinen Freunden passiert ist, habe ich mich in dem Haus von meinem Onkel versteckt, und bin nirgendwo hingegangen. In diesem Haus hat fast drei Jahre lang niemand gewohnt, also habe ich das Haus schnell renoviert, sodass wir uns dort verstecken konnten, und dann habe ich dort gelebt. Mit meiner Frau und unserem Kind. Es waren wirklich sehr viele Überfälle in diesem Jahr.

Meine Freunde sind alle zum Ausland gefahren, und ich wollte es auch machen. Ich habe entschieden, ich musste es noch mal probieren, von meinem Heimatland zu fliehen. Ich hatte aber keine Ahnung, wo ich hingehen sollte. Dann habe ich von meinem Freund gehört, dass es Wege gibt, um nach Deutschland zu kommen. Also, haben wir diesen Weg probiert. Meine Freunde sind nach Polen gegangen, oder nach Frankreich, viele Freunde sind zu ganz verschiedenen Ländern gegangen. Auch nicht alle in Europa, ich habe einen Freund in der Türkei und ein Freund noch in Russland, aber ich weiß nicht, wo er ist. Er ist fast verschwunden. Ich habe schon seit 6 Monaten nichts von ihm gehört.

Wir haben auch probiert, vielleicht nach anderen Ländern im Ausland zu gehen, aber wir haben uns doch für Deutschland entschieden. Es was der 26. Oktober 2019, als ich mein Heimatland verlassen habe, und ich bin eine Woche später in Deutschland angekommen. Von Tschetschenien bin ich zu der Türkei geflogen, und von dort bin ich nach Bosnien und Herzegowina gefahren. Von dort, bin ich mit dem Flugzeug nach Deutschland gekommen. Die ganze Reise war nur ungefähr eine Woche, ich war nur ein paar Stunden in der Türkei, und dann nur ein paar Tage in Bosnien und Herzegowina.

Ankunft in Deutschland:

Als ich in Deutschland angekommen bin, haben sie auf die europäische Weise mit dem Dublin-Verfahren meine Daten angeschaut, und haben gesehen, dass ich schonmal in Eisenhüttenstadt war. Also sind wir nach Eisenhüttenstadt gefahren. Wir waren für 2 Wochen in München, dann 3 Monate in Eisenhüttenstadt, und dann in Wandlitz für 4 oder 5 Monate, dann zu diesem Heim. In diesem Heim sind wir jetzt fast 2 Jahre.

In eins von den Heimen habe ich zwei Leute kennengelernt, sehr nette Menschen, die haben mir sehr viel geholfen. Das wichtigste, was man braucht, wenn man im Ausland ankommt, ist nicht Geld, nicht einmal essen, sondern am wichtigsten ist es, dass Leute nette Wörter sagen zu dir. Unterstützung. Diese beiden Leute haben mich sehr viel unterstützt. Ihre Namen waren Max und Johanna, sie waren beide Sozialarbeiter und ich glaube, sie arbeiten beide immer noch dort. Die beiden waren sehr freundlich mit mir. Zum Beispiel, als ich zum ersten Mal in dem Heim angekommen bin, gab es nichts in dem Heim. Ich habe aber gehört, dass in einem anderen Gebäude in der Nähe ein Sportzimmer gibt. Ich interessiere mich sehr für Sport, also bin ich da hingegangen, und der Max hat dort gearbeitet. Ich habe den Max gefragt, ob ich da Sport machen kann, und er hat gesagt ja kein Problem. Dann haben wir oft zusammen gesprochen. Max war schon ziemlich alt und er hatte eine sehr freundliche Geschichte. Ich glaube, er war fast mein Freund.

Johanna hat auch im Sportzimmer gearbeitet und ich habe sie auch da kennengelernt. Dieses Zimmer musste renoviert werden, also es musste neu angemalt werden. Ich habe meine Hilfe angeboten. Max hat ja gesagt und er hat auch mitgemacht. Dann waren wir immer da zusammen und haben geredet. Für mich das Wichtigste in diesem Heim war einfach zu reden. Im ersten Monat ist es vielleicht nicht so wichtig zum Reden, aber im zweiten oder im dritten Monat ist man alleine und dann muss man reden.

Das reden ist schon immer schwer für mich. Ich habe Angst. In meiner Heimat ist es schwer, mit anderen Leuten zu reden, weil es zwei Seiten gibt. Es gibt Leute, die für Kadyrow sind, und Leute, die dagegen sind. Es ist also schwer, mit anderen Leuten frei zu sprechen, weil vielleicht gehören sie zu der anderen Seite. Es gibt andere Leute in den Heimen aus Tschetschenien, aber ich habe ein bisschen Angst vor anderen Tschetschenen. Mit anderen deutschen Leuten kann ich mehr frei sprechen. Aber ich kann mich noch nicht normal mit deutschen Leuten oder Familien unterhalten, weil ich nicht so gut Deutsch kann. Mit den Problemen ist es vielleicht besser, mit Deutschen zu reden, aber ich bin noch nicht so weit.

Für mich und meine Frau gibt es in diesem Heim zwei oder drei Familien, mit denen wir frei sprechen können – die sind auch aus Tschetschenien. Es gibt sehr wenige Leute, die hier Russisch oder Tschetschenisch sprechen können. Im Heim, gibt es ein paar Ukrainische Leute, aber die sind alle Frauen. Wir sind Muslim, und für Muslime ist es nicht richtig, wenn ein Mann ohne Grund zu einer Frau spricht. In diesem Interview ist es ok, dass ich mit zwei Frauen spreche, weil es gibt einen Grund; wir machen ein Interview. Aber normalerweise ist es schwierig. Aber für meine Frau ist es ok, sie kann mit den anderen Frauen sprechen.

Das Leben im Heim:

Ich habe jetzt vier Kinder, vor ein paar Wochen war mein neues Kind geboren. Als wir in Deutschland angekommen sind, war meine Frau schon schwanger mit unserem 3. Kind. Jetzt haben wir 4 Kinder. Meine Kinder sind nicht in der Kita, weil es gibt keine Kitaplätze. Vor ein paar Monate, habe ich ein Papier ausgefüllt, sodass meine Kinder vielleicht später einen Platz bekommen können, aber bis jetzt hatten wir keinen Erfolg. Mein ältester Sohn ist 5 Jahre alt, und ich möchte unbedingt einen Kitaplatz für ihn finden. Er ist jetzt zu alt, immer im Zimmer zu sein. Es ist ein Stress, für ihn, immer im Zimmer zu bleiben. Ich versuche, jeden Tag Ausflüge zu machen mit meinen Söhnen. Beim Bahnhof gibt es einen kleinen Sportplatz, und draußen gibt es einen Spielplatz, oder manchmal mache ich kleine Fahrradfahrten mit den Kindern. Mein zweiter Sohn kann sich immer noch beschäftigen, in dem er mit Spielsachen im Zimmer spielt, aber mein großer Sohn interessiert sich jetzt nicht mehr dafür. Er muss mit anderen Kindern spielen, und mit anderen Kindern reden. Deswegen möchte ich jetzt, dass er einen Kitaplatz bekommt.

Zuerst, haben ich, meine Frau, und meine Kinder eine Duldung bekommen. Von einem Jahr, hat meine Frau diese Duldung nicht mehr, aber ich schon und ich weiß nicht wieso. Am Anfang, habe ich eine Abschiebung bekommen, aber dann hat mein Anwalt gesagt, ich kann nicht nach Hause gehen, weil es eine Gefahr besteht in meinem Heimatland. Es ist zu gefährlich. Seitdem ist alles in Ruhe. Das war vor eineinhalb Jahre. Jetzt habe ich eine Duldung. Ich weiß nicht, ob ich einen Aufenthaltstitel bekommen kann, aber der Chef in Heim hat gesagt, ich habe eine Arbeitserlaubnis. Vielleicht, wenn ich zum Arbeitsamt gehe, können sie mir ein Minijob Erlaubnis geben. Dann, wenn ich meine B1 Prüfung bestehe, kann ich eine Ausbildung machen in meinem Beruf, als IT Programmierer oder Software-Entwickler. Aber ich habe gehört, dass man für diesen Beruf B2 braucht. Für mich, ist das ein bisschen ein Problem. Aber ich werde erst probieren eine Berufsausbildung zu machen, wenn ich das nicht finden kann, dann finde ich eine andere Arbeit. Ich glaube, das ist der beste Weg für mich.

Ich habe einmal bei der Volkshochschule gefragt, ob ich einen A2 Kurs machen kann. A1 konnte ich schnell lernen, aber bei A2 brauchte ich Hilfe. Ich habe gefragt, aber die haben mir gesagt, ich kann es nicht machen, weil ich einen roten Strich habe auf meinem Papier – eine Duldung. Jedenfalls, kann ich keinen A2 Kurs bekommen. Hier im Heim gibt es manchmal für 1 oder 2 Monate mini Deutsch Kurse. Das ist gut, weil dann kann ich ein bisschen lernen und sprechen. Aber ich lerne meistens alleine in meinem Haus. Ich habe Bücher in unserer Wohnung, und ich kann das Internet benutzen. Also werde ich bald meine B1 Prüfung schreiben.

Ich habe studiert in meinem Heimatland, aber ich habe mein Studium nie beendet, weil mein letztes Jahr in der Uni war 2016. Ich hätte in dieser Zeit meine Abschlussprüfung schreiben sollen, aber ich musste fliehen wegen der Überfälle. Ich musste weg von meinem Heim, also konnte ich mein Studium nicht beenden, obwohl ich 5 Jahre-lang für den Beruf als Programmierer studiert habe. Ich könnte hier noch Hilfe gebrauchen, mit meinem Beruf. Ich möchte sehr gerne in meinem Beruf arbeiten, als Programmierer. Die Arbeit gefällt mir gerne, ich mag Computer sehr gerne. Jetzt möchte ich gerne weiter in meinem Beruf kommen, und Arbeiten. Aber es ist wegen der Sprache, weil ich B1 oder B2 brauche, sehr schwierig. Zum Beispiel, in meiner Heimat gab es sehr viele Programmierung Sprachen, die wir benutzt haben, wie Python oder Basic. Ich habe Python für ungefähr ein halbes Jahr gemacht, und in Russland kann ich programmieren. Aber hier ist es in Deutsch, man muss wenigstens B1 Deutsch und sogar B1 Englisch können, um programmieren zu können. Es werden überall IT-Spezialisten gebraucht, zum Beispiel im Sportzimmer, oder überall. Aber man muss Deutsch kennen.

Meine Frau hat ihr A2 Zertifikat bekommen, vor einem Monat. Sie lernt auch ein bisschen mit mir zu Hause, aber ich lerne gerne mit Büchern, und sie nicht so. Sie lernt lieber, in dem sie mit anderen Leuten spricht. Sie mag das sprechen gerne. Mein Deutsch, vor allem meine Grammatik, ist insgesamt ein bisschen besser als ihres, aber sie kann besser sprechen. Meine Frau möchte gerne Sozialarbeit machen. Sie hat nie genau gearbeitet, aber sie hat eine Ausbildung in unserem Heimatland gemacht im Fach Sozialarbeit.

Mir gefällt der Chef in diesem Heim sehr viel. Er ist ein bisschen streng, aber für mich sind strenge Leute sehr gute Leute. Es gibt auch eine andere Frau, die hier arbeitet, und wenn es hier einen Deutsch-Kurs im Heim gibt, dann passt sie auf die Kinder auf. Im Heim gibt es im Moment sehr viele Arbeit, sie machen kleine Renovierungen. Und mit den Ukrainern gibt es jetzt viel zu tun.

Was schwer für mich hier ist, ist das ich immer zu Hause bin, mit den Kindern. Ich habe keine Freunde. Es gibt andere Männer in dem Heim, mit den ich sprechen kann, aber wir haben unterschiedliche Mentalitäten. Die sind noch sehr Jung, alle von 17 bis 21 Jahre, also interessieren wir uns einfach für andere Sachen. Aber wir können manchmal zusammen über etwas reden. Manche sind schon 6 Jahre hier. Einer arbeitet schon. Die sprechen auch alle sehr gut Deutsch. Manchmal übersetzten sie für mich, wenn ich etwas auf Deutsch nicht verstehe. Ich bin ziemlich glücklich hier, aber ich hätte gerne mehr Möglichkeiten. Wir haben immer noch keinen Kitaplatz, und wir wohnen immer noch hier in einem Zimmer. Vor einem Jahr habe ich einen Brief geschrieben zu unserem Sozialamt, und ich habe erst vor 2 Wochen eine Antwort bekommen.

Was mir in Deutschland gefällt, sind die Regeln. Ich bin ein Mensch, für mich sind Regeln sehr wichtig. Ich habe es schon gesagt, aber Regeln machen jede Person zu einem Mensch. In Deutschland gibt es auch Freiheit, und viele andere Ausländer. Obwohl es viele Unterschiede gibt zwischen den Menschen, alle haben die gleiche Freiheit, und die gleichen Regeln. Die Regeln funktionieren auch! In Russland, ist das nicht so. Ist auch so mit Rechten. In Russland, müssen nur manche Leute die Regeln folgen. Zum Beispiel, hier müssen alle Leute 60 km fahren. In meinem Heimatland, können die Machthaber bis zu 200 fahren, und dann verursachen sie viele Unfälle, aber sie werden nicht festgenommen. Für manche Leute, für reiche Leute, in Russland, gibt es keine Regeln. Für arme Leute gibt es Regeln. In Deutschland, ist es egal von welchem Land man kommt, alle Leute müssen die Regeln folgen. Für mich, ich finde das gut.

Die Zukunft

In den nächsten 10 Jahren, würde ich gerne mein Deutsch verbessern, meinen Beruf ausüben, und eine Wohnung finden. Es gibt 2 andere Familien aus Tschetschenien, mit den wir befreundet sind, und wir würden gerne in der Nähe von den wohnen. Die wohnen jetzt im Zentrum von der Stadt hier, also wäre es schön, vielleicht zusammen zu wohnen. Weiter habe ich noch nicht gedacht. Ich glaube, im April habe ich meine B1 Prüfung bestanden, und dann geht es langsam, Schritt für Schritt, voraus. Dann suche ich nach einer Ausbildung, und wenn das nicht geht, nach einer Arbeit.

Meine Cousinen wohnen in Cottbus, in Brandenburg. Vielleicht können wir mal da wohnen, oder in dieser Gegend bleiben, weil es ist schön ruhig hier. Es gibt nicht sehr viel Verkehr hier, und es gefällt mir. Ich habe noch nicht viele andere Städte gesehen, aber ich finde es hier ganz gut. Aber wenn ich gute Arbeit finde in Berlin, oder irgendwo anders, dann geh ich da hin. Ich weiß nicht.

Gedanken über Deutschland

Manche Probleme gibt es in jedem Land, dann macht es eigentlich keinen Sinn über diese Probleme zu reden. Zum Beispiel, in jedem Land gibt es manche Leute, die nicht freundlich sind. Andere sind doch freundlich. Das ist überall. Es gab ein oder zwei Fälle, in dem ich Diskrimination erlebt habe, aber wir wohnen schon zwei Jahre hier. Zwei Erfahrungen mit Diskrimination in zwei Jahren ist sehr wenig. Es gibt spinnende Leute in jedem Land – in Deutschland, in Tschetschenien, in Russland auch. Es ist normal.

Die einzigen deutschen Leute, die ich hier eigentlich begegne, sind die Sozialarbeiter im Heim. Für mich, muss ich erst ein oder zwei Monate jemanden kennen, bevor ich wirklich mit dem sprechen kann. Wenn ich die Leute ein bisschen kenne, und weiß, dass das gute Leute sind, die nicht schlechte Sachen sagen oder machen werden, dann kann ich anfangen, mit diesen Leuten freundlich zu sein. Wenn eine deutsche Person zu mir freundlich “Hallo!” sagt, dann sage ich auch freundlich “Hallo!” zurück. Aber ich würde mich nicht mit jemanden treffen, etwas zusammen unternehmen und viel sprechen. Das ist nicht nur mit deutschen Leuten so, sondern mit allen. Es ist einfach für mich schwer, auch mit Leuten aus Tschetschenien oder Russland. Es ist vielleicht mein Psychologisches Problem. Ich muss erst jemanden vertrauen, bevor ich einfach mit dem sprechen kann. Ich muss sie erst 1 oder 2 Monate kennen, um das Vertrauen aufzubauen. Auch mit den Sozialarbeitern am Anfang, habe ich nur mit den gesprochen, wann ich es musste. Jetzt, kann ich leicht mit den sprechen, es ist leicht für mich nach Hilfe von ihnen zu fragen.

Wenn mein Deutsch besser ist, dann ist es auch bestimmt leichter, mit anderen Deutschen zu sprechen. Vielleicht wenn ich einen Beruf habe, dann kann ich im ersten oder zweiten Monat nicht so richtig mit meinen Kollegen sprechen, nur sehr wenig. Aber dann, vielleicht später, kann ich mehr mit den reden. Für mich ist dieses Interview das erste Mal, dass ich frei mit einer deutschen Person spreche. Sogar mit Sozialarbeitern habe ich noch nie so frei gesprochen. Dieses Gespräch hat mir sehr gefallen. Ich kann nicht so oft mit anderen Leuten sprechen. In dieser Stadt gibt es ein Sprachcafé, und ich wollte da hingehen, aber ich habe Angst. Ich habe Angst, dass diese Leute mich nicht verstehen werden, oder dass Leute nicht mit Flüchtlingen reden möchten. Alle Leute haben diese Angst, es ist normal.

Hier in Deutschland gibt es viele Flüchtlinge. Für jeden Mensch, gibt es einen Grund hierherzukommen. Manche fliehen von Gewalt, andere möchten bessere Arbeitsmöglichkeiten, mehr Geld verdienen. Es gibt viele Gründe. Es sind auch viele Leute aus Tschetschenien hier, und jetzt aus der Ukraine. Ich habe viel im Internet gelesen über den Krieg in die Ukraine und beobachte immer die Nachrichten. Es gibt manche Deutsche Leute die sagen “Wieso kommen diese Leute hier her. Bleibt da” und so weiter. Ich weiß, von diesen Leuten gibt es nicht viele, weil wenn ich zum Zentrum gehe, gibt es viele Leute, die den Ukrainer helfen möchten. Es gibt viele Leute, die sie unterstützen. Aber im Internet gibt es Leute, die schlechte Sachen sagen. Ich denke viel hierüber nach. Die Leute aus der Ukraine kommen wegen Krieg. Manche Leute aus Tschetschenien und Russland kommen auch wegen des Krieges. Leute aus Russland und Tschetschenien kommen hier her, weil sie nicht in den Krieg gehen wollen, sie wollen die Leute aus der Ukraine nicht ermorden müssen. Aber sie haben auch keine Möglichkeiten, sie müssen fliehen. Bis jetzt, hat die Regierung noch nicht gesagt, dass die kämpfen müssen. Aber vielleicht später werden Russland und Tschetschenien ihre Armee mobilisieren, und dann müssen Leute kämpfen. Also müssen sie fliehen.

Manche deutsche Leute denken vielleicht, dass die Leute kommen, um die Sozialleistungen zu bekommen. Manchmal stimmt das ja vielleicht. Aber die meisten Leute haben einen guten Grund; sie wollen einfach frei leben. Sie wollen glücklich sein, und eine Chance haben, zu leben, ohne dass sie sich ständig in Gefahr fühlen. Das Erste, was diese Flüchtlinge brauchen, ist nicht Geld, Essen, eine Wohnung, sondern einfach ein freundliches Gesicht von den deutschen Leuten. Sie brauchen eine freundliche Beziehung mit den Deutschen.

Für mich war es auch so. Max und Johanna waren sehr freundlich zu mir, und ich habe das gebraucht. Das hier ist nicht mein Heimatland, es ist sehr schwer. Ich möchte auch wieder zu meinem Heimatland gehen. Nicht jetzt, es ist zu gefährlich. Ich muss natürlich erst ein paar Jahre warten, aber irgendwann würde ich gerne mal zurück zu meiner Heimat fahren, und einfach besuchen, wie ein Urlaub, nur für ein oder zwei Monate. Vielleicht, wenn wir einen neuen Präsidenten bekommen, und alle Regeln in Tschetschenien funktionieren, dann kann ich vielleicht ganz nach Hause gehen. Deutschland ist ein gutes Land, und hier gibt es sehr viele nette Leute, und gute Möglichkeiten, aber es ist nicht meine Heimat. Ich vermisse meine Mutter, meine Freunde. Meine Frau hat 4 Schwestern zu Hause, eine Tante, ihre Mutter, und sie vermisst sie alle sehr. Aber wir können nicht zurückgehen.

Die Deutsche sollten wissen, dass es am wichtigsten ist für uns, ein freundliches Gesicht zu sehen. Wenn man in einem neuen Land ist, und ein wütendes Gesicht sieht, ist es sehr schwer. Zum Beispiel, wenn man zu der Türkei fährt, dann sind da sehr viele Leute, die sagen “geht nach Hause, wir wollen euch nicht hier”, usw. Für mich, wäre das sehr schwer. Keine Wohnung, das ist normal. Kein Essen, dann hast du Hunger, aber na ja. Aber für mich, ist das wichtigste, wie andere Leute einen behandeln.

Ich weiß noch einmal in Wandlitz, war ich in einem Geschäft mit meiner Frau. Eine alte Frau ist zu uns rübergekommen, und sie hat uns ein kleines Geschenk gebracht. Für uns, war das eine schöne Überraschung. Ich verstehe es, wenn Sozialarbeiter freundlich zu uns sind. Aber dieser Moment war das erste Mal in Deutschland, wo eine Person, die wir überhaupt nicht kennen, einfach freundlich zu uns war. Wir kannten sie nicht, sie kannte uns nicht, aber sie hat verstanden, dass wir Flüchtlinge sind, und sie wollte uns ein Geschenk geben. Das war sehr schön. Am allerwichtigsten ist es, eine nette Beziehung mit Menschen zu haben.

 

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