Erforschung der akademischen Forschungs- und Bildungspraxis


In public policy making, many suppliers and users of social research are dissatisfied, the former because they are not listened to, the latter because they do not hear much they want to listen to. (Lindblom & Cohen. Usable Knowledge. 1979: 1)

Zu guter Letzt erforscht und diskutiert Social Science Works die akademische Forschung und Lehre sowie deren institutionelle Zusammenhänge. Hierzu müssen folgende Leitfragen gestellt werden:

  • Welche Formen von Sozialwissenschaft werden an der Universität durchgeführt und unterrichtet?
  • Welche ontologischen, erkenntnistheoretischen und normativen Annahmen liegen vor?
  • Welche Form von Wissen versuchen die entsprechenden Wissenschaftler zu erlangen?
  • Worin liegt die Bedeutung dieser Forschung aus gesellschaftlicher Perspektive?
  • Welche Bildung wird Studenten geboten, welche Annahmen liegen ihr zugrunde und wo liegen mögliche Schwachstellen?
  • Wie geht Disziplinierung innerhalb dieser Institutionen vonstatten?
  • Warum halten sich manche Paradigmen, selbst dann, wenn ernsthafte Zweifel über ihre Haltbarkeit und Relevanz bestehen?
  • Wodurch kennzeichnen sich gute Beiträge der Sozial- und Politikwissenschaften und der Philosophie in den öffentlichen Diskurs? Welche Interventionen dieser Disziplinen sind im öffentlichen Entscheidungsprozess möglich?

In den letzten 15 Jahren haben sich innerhalb der Sozialwissenschaften mehr und mehr Zweifel an der fortgesetzten Suche nach objektiven, universellen, kontextunabhängigen Theorien entwickelt. Diese hochgradig kostspielige Suche war leider zu weiten Teilen fruchtlos. Die Sozialwissenschaften versuchen noch immer, die Naturwissenschaften zu imitieren; dies tun sie leider zum Großteil auf Kosten ihrer öffentlichen Relevanz. Folgt man einer größer werdenden Zahl von Kritikern, dann sollten die Sozial- und Politikwissenschaften stattdessen empirisch begründete normative  Argumente vorbringen, die auf die Verbesserung der öffentlichen Debatte abzielen.

Auf unserer Webseite (www.socialscienceworks.org) haben wir ein akademisches Positionspapier veröffentlicht, in welchem ein Überblick über die Ideen und Diskurse gegeben ist, die zum Konzept von Social Science Works geführt haben (http://socialscienceworks.org/wp-content/uploads/2015/02 /Blokland-Hans.-2015.-The-Academic-Background-of-Social-Science-Works.pdf).

Wir streben danach, zusammenzubringen, was sich zunehmend voneinander abgelöst hat: Politische Theorie auf der einen Seite, empirische Sozialforschung und Politikwissenschaft auf der anderen Seite. Diese Ablösung hat vor allem zu philosophischen Ideen ohne empirische Grundlage und Relevanz  geführt, auf der anderen Seite aber zu einer Sozialwissenschaft, die grundlegende gesellschaftliche Fragen nicht stellt und zudem ignorant gegenüber den eigenen Annahmen zu sein scheint.

In diesem Zusammenhang argumentieren wir für einen eher problemorientierten und weniger theorie- und methodenorientierten Forschungsansatz als es momentan in den Sozialwissenschaften der Fall ist. Daher suchen wir nach dem, was Lindblom & Cohen (1979) als ‚nutzbares Wissen‘ (Usable Knowledge) bezeichnet haben.

Social Science Works nimmt dementsprechend die selbstkritischen Stimmen innerhalb der Soziologie und Politikwissenschaft ernst, die die selbstzerstörerischen Tendenzen innerhalb der Disziplin benennen. Diese Tendenzen sind unter anderem scholastischer Selbstbezug, ‚Überprofessionalisierung‘, Fragmentierung und ein zu starker Methoden- oder Theoriefokus. Davon ausgehend ist der Großteil der sozialwissenschaftlichen Forschung irrelevant für jene, die tagtäglich mit gesellschaftlichen Problemen umzugehen haben.

Sozialforscher sollten helfen, das ‚impairment‘ (Lindblom 1990, zu Deutsch in etwa ‚Beeinträchtigung‘, ‚Schwächung‘, aber auch ‚Wertezerfall‘), welches in jeder Gesellschaft vorkommt, die Blindheit für alternative Ideen, Ansichten, Werte und Problemformulierungen aufzubrechen. Indem gesicherte Werte, Ideen und Sichtweisen infrage gestellt werden und andere Alternativen vorgeschlagen werden, tragen Sozialforscher dazu bei, einen Wettbewerb von Ideen zu ermöglichen. Indem die Zivilgesellschaft auf diese Weise gestärkt wird, kann ein Gegengewicht zum fortschreitenden und ungelenkten Prozess technischer Rationalisierung gegeben werden.

Darüber hinaus nimmt Social Science Works die zunehmende Rolle von politischen Entscheidungen auf alle Lebensbereiche ernst. Da politische Entscheidungen zunehmend forschungsbasiert sind, ist es von hoher Wichtigkeit, relevantes Wissen über die Gesellschaft bereitzustellen. Dies gilt vor allem, da die akademischen Disziplinen der Sozialwissenschaften diesem Bedarf momentan kaum gerecht werden.

Ins Universitätsleben eingebundene Sozialwissenschaftler forschen kaum über ihre eigenen Forschungsaktivitäten. Bedenkt man die Entwicklung der Disziplin und der scheinbaren Unmöglichkeit, diese Entwicklung in andere Bahnen zu lenken, scheint diese Form der Forschung zunehmend notwendiger. Da Disziplinen selten in der Lage sind, die eigene Disziplin auswerten und einschätzen zu können, kann die benötigte Forschung besser durch eine Institution ausgeführt werden, welche nicht auf die Anerkennung anderer Akteure im Universitätssystem angewiesen ist.

Social Science Works kommentiert Forschungsergebnisse und Forschungspraktiken an den Universitäten aus öffentlicher Sicht. Die Einsichten sind beeinflusst von gegenwärtiger Wissenschaftstheorie. Social Science Works kommentiert durch Forschungsarbeiten, Artikel und den Blog (http://socialscienceworks.org/social-science-blog).